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Warm durch die Nacht - Tourbericht 10.06.2016 von Judith

wurden 15 kg Kartoffelsalat besorgt, drei riesige Dosen Knackwürstchen und zwei Flaschen Senf wurden eingepackt. Von der Tafel hatten wir eine große Menge Quarkspeise, frisches Obst, belegte Brötchen, süßes Gebäck und von der Bäckerei Gebr. Förster gbr ebenfalls eine große Auswahl an Brot und Gebäck bekommen.
Ein Behälter wurde noch mit Wasser für Kaltgetränke gefüllt.

Ingrid, Kerstin, Elke, Viola und ich trafen uns schon früh am Schuppen, denn wir hatten allerhand einzupacken, umzupacken und zwei Bollerwagen so geschickt zu beladen, dass wir alles mitbekommen.
Als Vroni und Micha mit dem Gebäck von Förster und dem leckeren Salat eintrafen, galt es, weitere Portionstütchen zu packen und die letzten Sachen auf die Wagen zu laden, alles festzuzurren und dann ging‘s los.

Als wir auf dem Rheinischen Platz ankamen, warteten schon ganz viele auf uns und es gab noch Verstärkung fürs Team durch Tina, Ellen, Anna Lena und Christina. Und das war auch gut so, denn was dann folgte, haben wir selten erlebt!
„Wo ist denn hier die Schlange, wo muss man sich denn hier anstellen!“ hörte man sie fragen und nachdem wir unseren Tisch aufgestellt hatten und alles bereit stand, bildete sich im Nu eine lange Schlange und alle waren begeistert von dieser Abwechslung, die wir in Form von Salat mit Würstchen als Überraschung dieses Mal im Angebot hatten. So diszipliniert aufgereiht hatten sie sich noch nie und wir mussten schmunzeln, denn diese Szene hatte was von einem Schulhof am Ende der Pause, wenn die Schüler sich zum Unterrichtsbeginn aufstellen müssen. ;-)

„Das schmeckt ja außerirdisch!“ ließ dann jemand gleich verlauten und ein anderer stieß zwischen jedem Bissen, den er zum Mund führte ein „Herrlich! Herrlich!“ aus. Man, das hat Spaß gemacht, dabei zuzusehen, mit wieviel Genuss sie alle aßen! :D

Der Andrang wollte gar nicht abreißen und dadurch, dass unser Team dieses Mal so gut aufgestellt war, blieb auch viel Zeit für Gespräche. Leider musste unsere Ingrid die Tour dann vorzeitig verlassen, da es ihr nicht so gut ging. An dieser Stelle: Gute Besserung, Ingrid!

Die junge schwangere Frau, die wir nun schon länger versorgen, hatte großen Kummer. Ihr Mann ist in Abschiebehaft gekommen und nach Serbien abgeschoben worden, wo er wohl weiterhin inhaftiert sei. Im August soll ihr kleiner Junge geboren werden. Sie ist völlig verzweifelt. „Ich bin jetzt ganz alleine!“ sagte sie und ließ sich weinend in den Arm nehmen und trösten. Zum Glück ist sie bei ihren Schwiegereltern untergekommen.

Teilweise war die Stimmung ein wenig gereizt, da ging es an der einen Stelle um 2 €, die man wohl gemeinsam „geschnorrt“ hatte und die der eine nun nicht bereit war, mit dem anderen zu teilen, an einer anderen Stelle ging es um eine verschüttete Flasche Bier, die man nun ersetzt haben wollte und ein Weiterer hatte das Gefühl, dass man sich über ihn und seine gesamte Lebenssituation lustig machen würde. So hatten wir dieses Mal auch allerhand zu tun, zu beruhigen, zu vermitteln, zu trösten und zuzuhören.

Lange blieben wir am Rheinischen Platz, bis endlich alle versorgt waren und die Zuwendung erhalten hatten, die sie brauchten.

An der Porschekanzel trafen wir S. Ich hatte ihn ganz lange nicht mehr gesehen und er begrüßte mich freudig. Wie immer nannte er mich Mama. „Ich habe keine Familie, du bist meine Mama, mein Papa, einfach alles für mein Herz!“ Aber man merkte gleich, dass es auch ihm nicht so gut ging. Schon da hatte er Tränen in den Augen und reagierte dann sehr empfindlich, als ein anderer Gast sich ihm näherte und eigentlich mit ihm scherzen wollte. Lamentierend und weinend rannte er davon, ließ sogar sein Essen stehen. Wieder galt es, zu vermitteln und zu beruhigen. Ellen und Anna Lena brachten ihm sein Essen dorthin, wohin er sich zurückgezogen hatte und nach einer gewissen Zeit hatte er sich soweit beruhigt, dass er nochmal zu uns an die Wagen kam und wir ihn für das Wochenende mit Obst und Gebäck eindecken konnten.

Inzwischen hatten wir schon so viele versorgt, dass wir einen Moment überlegten, ob wir überhaupt noch zum Willy-Brandt-Platz gehen sollten, aber da wir noch einiges zu verteilen hatten, entschlossen wir uns, auch dort zu schauen, ob wir noch jemandem mit Essen oder Gespräch etwas Gutes tun könnten. Und es war gut so, dass wir noch weitergezogen sind, sowohl unterwegs wie auch oben an der Post hatten wir noch einige Gäste.

Übrigens, es gibt inzwischen einen weiteren Ofw’ler, M., der uns die gesamte Tour begleitet, uns hilft bei allem, was zu tun ist und unsere Gesellschaft genießt.

Resümee der Tour: 15 kg Kartoffelsalat-weg, eine große Schüssel türkischer Salat-weg, 80 Würstchen-weg, Gebäck, belegte Brötchen, Obst, Quark-weg – es müssen an die 100 Leute gewesen sein, die wir versorgt haben! :o

Sehr spät, aber mit dem Gefühl, dass es richtig war, an diesem Abend die Tour zu gehen, fuhren wir nach Mitternacht nach Hause.

Ich persönlich hatte sowieso längst Entzugserscheinungen, da ich wegen eines unglücklichen Sturzes jetzt fast drei Wochen habe aussetzen müssen. Wenn auch meine lädierte Schulter sich anschließend ein wenig beschwerte, bin ich doch sehr froh über diese „ausgefallene“ Tour!